Amerikanische Ureinwohner und das Glücksspiel

Vielleicht haben Sie bereits bemerkt, dass die Ureinwohner Amerikas und das Glücksspiel eine lange Geschichte miteinander haben. Viele amerikanische Indianerstämme haben eigene Casinos und ihre Glücksspiel-Industrie sorgt für mehr Einkünfte als Las Vegas und Atlantic City zusammen.

Aber wie bauten die Ureinwohner ihre eigene Casino Industrie auf? Wo begann es und wie kam es zur heutigen Situation? Einige vermuten, dass der Ursprung dieser Verbindung bereits im 13. Jahrhundert zu finden ist.


San Manuel, eines der grössten und besten Casinos in Kalifornien

Die versteckte Höhle des Glücksspiels

Im Jahr 2015 haben Archäologen eine Entdeckung gemacht, die alles erklären könnte: An der Küste des großen Salzsees in Utah wurde eine Höhle mit einem eingebauten Casino entdeckt. Hier entdeckten die Ausgrabungen Stämme, Reifen, Würfel und Pfeile in der Nähe des Eingangs und einem zentralen Bereich, der wohl als Begegnungsstätte gedient hat.

In einem Statement verrieten die Archäologen, dass dort mehr als 10.000 verschiedene Stücke aus dem Bereich Glücksspiel zu finden waren. Sie gehörten zu einer eher obskuren Zivilisation unter den Indianern, der sogenannten Promontory Culture.

Wie bereits erwähnt waren vor allem die Stöcke von Interesse für die Ausgrabungen. Auf einer Seite waren sie mit eingebrannten Linien bestückt, die andere Seite war komplett unbearbeitet. Forscher glauben, dass die Stöcke dafür genutzt wurden, auf verschiedene Tätigkeiten der Frauen im Stamm zu wetten. Je besser das Ergebnis der Tätigkeit war, desto besser das Ergebnis für die Wette. Dies könnte ein erster Beweis für Glücksspiel unter den frühen Indianern gewesen sein.

Einige der Berichte vermuten, dass die Würfel von den Frauen genutzt worden sind, um für geringere Beträge zu spielen, während die Männer Spiele mit hohem Einsatz gespielt haben. Zudem zeigen einige der Artefakte die Möglichkeit, dass der Stamm Kontakt mit Stämmen aus deutlich entfernteren Gegenden des Kontinents hatte.

So wurde zum Beispiel ein Würfel aus einem Biberzahn gefunden, der in Nervenstränge eingewickelt war. Dies passt zu einem Fundstück des Klamath Stammes an der weiter entfernten Küste von Oregon. Weitere Fundstücke erinnern stark an Gegenstände, die in den Großen Ebenen und in den Hochplateus von Colorado gefunden worden sind.

Antikes Glücksspiel und die Ureinwohner

Unterdessen glauben Forscher, dass der Chumash Stamm, eine Gruppe amerikanischer Ureinwohner, zwei Arten von Spielen gespielt hat: Eines basierend auf Fähigkeiten und ein anderes basierend auf Glück.

Payas, heute bekannt als Reifen- und Stangenspiel, beinhaltete einen Ring oder Reifen aus Weidenholz, der in Wildleder gewickelt war. Der Reifen wurde aus dem Boden ausgelegt und daraufhin von einem weiteren Spieler mit einem Speer beworfen, um möglichst weit in das Zentrum des Kreises zu treffen.

Shiny, auch bekannt als Tikauwich, war ein weiteres beliebtes Spiel der Chumash und benötigte laut der Berichte etwa 300 Meter an Platz. In dem Spiel ging es um zwei Teams, die sich um zwei Tore scharrten und versuchten mit der Hilfe von Stöcken einen Ball durch das Tor des Gegners zu befördern. Damit ähnelte es in verschiedensten Formen den heutigen Sportarten Baseball und Football und wurde schon in früherer Zeit von diesen Stämmen gespielt.

Es wird angenommen, dass der Stamm verschiedene Wetten auf den Ausgang dieser Spiele abgeschlossen hat.

Der Seminolen-Stamm in Florida


Seminole Hard Rock Casino, ein Indianercasino in Florida

Eines der ersten Casinos der Ureinwohner in der heutigen Zeit wurde in den 1970er Jahren gebaut. Unter der Führung von Howard Tommie, errichtet der Stamm der Seminolen auf dem Gebiet seines Reservats ein Casino mit hohen Einsätzen und in Kombination mit verschiedenen Bingo-Spielen. Der Stamm verkündete der Welt damals, dass das Gebäude an sechs Tagen der Woche geöffnet sein würde. Das war allerdings gegen die Gesetze des Staates Florida, der die Öffnungszeiten von Bingo-Hallen auf zwei Tage in der Woche begrenzte. Darüber hinaus plante der Stamm weit über das erlaubte Maximum von 100 Dollar Jackpots zu gehen.

Das führte dazu, dass der Sheriff von Broward County zahlreiche Verhaftungen machte, als der Stamm sein Casino schließlich eröffnete. Der Stamm der Seminolen verklagte das County in dem berühmten Fall "Seminolen Stamm gegen Butterworth". Der Stamm berief sich dabei darauf, dass das Bundesgesetz das Gebiet der Reservate schützt und Souveränität von der Staatsregierung erlaubt.

Das Gericht entschied zu gunsten des Stammes und schon bald entstanden in vielen Reservaten in ganz Amerika Casinos, Bingo-Hallen und Lotterien. Darüber hinaus wurde das Maximum deutlich über das staatliche Maximum gehoben.

Andere Stämme folgten dem Beispiel der Seminolen, so zum Beispiel die Cabazon Vereinigung der Indianer.

Der Cabazon Stamm der missionierten Indianer

In den 1960er Jahren war der Cabazon Stamm überaus arm, was unter anderem an zu wenig Land und Verträgen aus den 1950er Jahren lag.

Trotzdem entschied sich der Stamm zusammen mit dem Morongo Reservat in Indio, Kalifornien dazu, das Eigentum in Form von Gebäuden und verschiedenen Trailern zu nutzen. Sie wollten künftig ebenfalls Casinos und andere Glücksspiele anbieten. Damit wurde 1980 begonnen.

Wie schon bei den Seminolen, wurde auch hier die Staatsgewalt in Form der Polizei von Indio und dem Sheriff von Riverside County tätig. Sie schlossen die Casinos und Glücksspielhallen, verhafteten viele Mitglieder des Stammes und beschlagnahmten große Teile des Bargelds und der Merchandise-Artikel. Auch sie verklagten den Staat im Fall "Kalifornien gegen die Cabazon Gemeinschaft".

Auch hier fiel das Urteil zu gunsten des Stammes aus: 1986 schaltete sich schließlich der Supreme Court der Vereinigten Staaten ein und entschied, dass nur der Kongress und die Bundesregierung Regulierungen für das Glücksspiel auf Stammesland beschließen sollten.

Das Gesetz zur Regulierung von Glücksspiel der Ureinwohner

Das Urteil des Supreme Courts führte schließlich dazu, dass der Kongress ein Gesetz verabschiedete, dass den Ureinwohner eine Vielzahl an Rechten über Casinos und Spielhallen gab. Allerdings wurden die Bundesstaaten und Ureinwohner aufgefordert eine neue Vereinbarung miteinander zu beschließen. Das Gesetz, das schließlich von Präsident Ronald Reagan unterzeichnet wurde, bedeutete aber auch, dass die Bundesregierung einen Einfluss auf die Regularien für das Glücksspiel auf Stammesland hatte. Dabei wurde zwischen drei Kategorien des Glücksspiels unterschieden:

  • Klasse I Glücksspiel: In dieser Klasse wird klassisches Glücksspiel der Stämme definiert. Es gibt keinen Einfluss außerhalb der Gesetzgebung der Stämme.
  • Klasse II Glücksspiel: Glücksspiele, in denen Spieler nur gegeneinander und nicht gegen das Casino spielen. Dazu gehörten zum Beispiel Bingo und Poker.
  • Klassse III Glücksspiel: Alle Arten von Glücksspiel, die nicht in Klasse I oder Klasse II auftauchen und darüber hinaus beinhalten, dass gegen das Casino gespielt wird. Dazu gehörten zum Beispiel Slots, Roulette, Blackjack und Craps.

Unzufrieden damit, dass sie mit den Ureinwohnern über die Rechte verhandeln müssen, haben verschiedene Staaten versucht das Urteil und Gesetz anzufechten - aber sie sind gescheitert. Tatsächlich konnte nach der Unterzeichnung des Gesetzes ein Boom in der Industrie bemerkt werden: Umsätze stiegen von 100 Millionen Dollar 1988 auf über 6,7 Milliarden Dollar im Jahr 2006.

Das lag auch daran, dass die Casinos der Ureinwohner über das gesamte Land verteilt worden sind.

Die Nationale Glücksspielkommission der Ureinwohner

Direkt nach der Unterzeichnung des Gesetzes für das Glücksspiel der Ureinwohner, wurde die NIGC, die Komission für Glücksspiel auf Indianerland, geschaffen. Diese sollte vor allem die Überwachung von Glücksspiel bei den Ureinwohnern erledigen. Die Komission besteht dabei aus drei Mitgliedern, die allesamt für drei Jahre gewählt werden und eine Prüfung durch den Generalstaatsanwalt durchlaufen. Der Vorsitzende wird dabei vom US Präsident selbst und ohne Einfluss des Senats ernannt. Weitere zwei Mitglieder werden durch das Innenministerium bestellt.

Nach Berichten beschäftigt sich die Komission vor allem mit Klasse II und Klasse III Glücksspielen in den amerikanischen Casinos. Sie verfügen außerdem über die Kontrolle von Budgets, Strafgebühren und anderen rechtlichen Angelegenheiten in diesem Bereich. Laut der Statistik aus dem Jahr 2012 gibt es derzeit über 400 Casinos der Ureinwohner in den USA, die von 240 verschiedenen Stämmen betrieben werden. Alle Casinos bieten dabei alle drei Klassen des Glücksspiels an.

2011 wurde berichtet, dass die Casinos eine Summe von 27 Milliarden Dollar eingespielt haben. Heute gelten die Casinos nicht nur als sehr erfolgreich, sondern auch als widerstandsfähig gegen globale Rezessionen.